Was bedeutet die Corona-Krise für das Kino?

Das Kino wird nicht sterben. Davon bin ich fest überzeugt. Wenn die Krise vorbei ist, wird vielleicht sogar ein größeres Bedürfnis nach Unterhaltung in der Gemeinschaft vorhanden sein. Das Kino ist geradezu gemacht dafür, aber es wird eben noch eine Weile dauern, bis es wieder so weit ist.

Was heisst das also für Franchises, die hauptsächlich im Kino beheimatet sind. Aufwendige, Bildgewaltige Spektakel, wie Marvel und Star Wars?

Schon vor einiger Zeit hat Disney begonnen Marvel Live-Action Serien auf die Plattformen der Streamingdienste zu laden. Agents of Shield, Agent Carter, Inhumans, Daredevil, um nur einige zu nennen. Es sind tatsächlich erheblich mehr. Durch die Krise haben die Streamingdienste enormen Zulauf erhalten, und natürlich profitieren die Serien davon. Aber schon vor der Krise war klar, dass dem Kino, durch perfekt gemachte Serien eine große Konkurrenz erwachsen würde. Man muss also keine Angst haben, dass die geliebten großen Franchises vom Markt verschwinden würden. Sie haben ein Eigenleben und finden gewiss ihren Weg. Immerhin gibt es ein gewaltiges Fan-Imperium, dass bedient werden will. Als Fan agiert man wie ein Junkie, der sich neue Quellen eröffnen wird, sobald eine versiegt. Und die neue Quelle muss nicht schlechter sein, als die alte. Ein Beispiel dafür ist The Mandalorian. Die Idee war nicht die Folge der Krise. Wenn man es genau betrachtet, war sie eine Reaktion auf die Ablehnung der Star Wars Fans bezüglich der Sequel Trilogie und Solo-A Star Wars Story, der an der Kinokasse die Erwartungen von Disney nicht erfüllte. Jon Favreau und Dave Filoni erhielten grünes Licht für The Mandaolrian, dessen Produktion mich sehr an ein Experiment erinnert. An einen Testballon, den man aufsteigen lässt, um die Lage zu sondieren. Und dies geschah mit so großem Erfolg, dass den Machern, die Verwudnerung förmlich anzusehen ist.

Was zeigt dieser ungeahnte Erfolg?

Es ist möglich, Abenteuer, die man vom optischen Eindruck eher auf der Kinoleinwand erwartet, auch am häuslichen Bildschirm zu erleben. Schreckte früher der Mangel an Refernzpunkten ab, einen größeren Aufwand und damit ein höheres finanzielles Risiko zu wagen, besitzt man nun eine Marke für das Machbare. Den Marvelserien merkt man die ursprüngliche Angst noch an, was sich an verschiedenen Szenen zeigt, bei denen man offenbar den Aufwand gescheut, und sich für die kostengünstigere Variante entscheiden hat. Das wird sich wohl grundlegend ändern. Disney wird in einem höheren, früher nur den Kinoproduktionen vorbehaltenen Aufwand, eine lohnende Investion in das Produkt erkennen. Das liefert mir eine Steilvorlage für einen Ausflug in die Kunsthistorie. Schon immer drängten Künstler ihre Mäzene und Produzenten, den Gelbeutel zu öffnen, damit sie in der Lage waren genügend Mittel für große Kunst zur Verfügung zu haben. Letztendlich sollten die Künstler recht behalten, was schleißlich zu einer Win/Wind Situation führte. Einer Situation in der sich die Kassen der Produzenten, füllten, der Künstler Ruhm und Befriedigung erntete und das Publikum mit Seh und Hörgenuss belohnt wurde.

Aber ein Wort zur Vorsicht. Der Aufwand alleine machte es nicht. Wie The Mandalorian zeigte, braucht man einen einfachen, aber spannenden Plot, dem der Zuseher gerne folgt. Vielversprechende Protagonisten, deren Entwicklung Interesse erweckt. Einfach und spannend ist schwerer, als man denkt. Das ist ein Mantra, das ich immer wieder herunterbete. Meist scheitern Serien am ende, an der Einfallslosigkeit ihrer Macher.

Aber ok. Ich hoffe das Beste. Und möge die Macht mit den Künstlern sein.