Leseprobe! NOMADS – LEGACY / Short Stories: Die Piratenkönigin

Wie meist, ist diese Leseprobe noch unlektoriert/unkorrigiert. Die Kurzgechichte “Die Piratenkönigin“ spielt im NOMADS Kosmos. Genauergesagt in der Nomads Legacy Reihe, die etwa 130.000 Jahre nach der Serie NOMADS spielt. Die Handlung bewegt sich zwischen Heist-Geschichte und Indiana Jones Mystery.

Viel Spass beim Lesen. Und vergesst nicht, einen Kommentar abzugeben.

Kapitel 3

Die Ausgrabungsstätte auf der steinigen Welt Akama war gewaltig. Das Grabungsteam hatte buchstäblich einen Canyon geschaffen, um ein riesenhaftes metallenes Objekt freizulegen, das seit Jahrtausenden im Gestein verborgen war.
Die Sonne stach heiß vom wolkenlosen Himmel herab, der in einem hellen Orangeton leuchtete. Ein launischer, warmer Wind, trieb unentwegt Staubteufel vor sich her und ließ das Sonnensegel flattern, unter dessen Schatten die Gruppe von Archäologen um Culver Colemann Schutz gesucht hatte. Um einen Kartentisch versammelt, besprachen sie gerade ihr weiteres Vorgehen, als ein Besucher zu ihnen kam. Silan Baranov. Er hatte seine Fähre nahe dem Camp der Forscher gelandet und die verbliebenen drei Kilometer, bis zum Rand der gewaltigen Grube, zu Fuß zurückgelegt. Ein anstrengender Weg, der den recht untersetzten Mann ins Schwitzen brachte. Auf der Stirnglatze, eingerahmt von schwarzem Kraushaar, glänzten Schweißperlen.
Er trat an die Männer und Frauen heran, die unter dem Sonnensegel diskutierte und wartete, bis man ihn bemerkte.
Culver Coleman war ein schlanker, hochgewachsener älterer Herr, mit schmalem Gesicht und blaugrauen Augen. Seine langen, silbergrauen Haare bändigte ein rotes Tuch, das als Stirnband diente. Er hatte sich offenbar seit einigen Tagen nicht rasiert. Kinn und Wangen zierte ein kurzer weisser Bart. Coleman drehte sich herum und lächelte Silan zur Begrüßung zu, woraufhin er sich wieder den Karten und Hologrammen auf dem Tisch zu zuwendete.
„Sie haben Ihre Instruktionen“, sagte er, ohne jemand bestimmten anzusehen, und die Versammlung löste sich auf. Er deutete auf einen der Klappstühle, die um den Tisch herumstanden. „Was führt dich in diese entlegene Gegend?“
Silan nahm auf dem Stuhl Platz und Culver Coleman setzte sich auf die Tischkante. Er musterte den Besucher lange und eindringlich. Silan Baranov war Kurator einer bedeutenden Sammlung auf Vanetha, die dem Clan der Colemans gehörte und Culver Coleman schenkte ihm großes Vertrauen. Manchmal raubte ihm die große Verantwortung, die er besaß den Schlaf. Besonders wenn er darüber nachdachte, was es mit all den Schätzen auf sich hatte, die in den Museen der Galaxis verteilt waren.
„Ein Spiel zu beginnen“, antwortete Silan geheimnisvoll. „Oder es zu enden.“
Culver Coleman griff nach einer Flasche mit einem klaren, offensichtlich alkoholhaltigen Getränk, füllte zwei Gläser und reichte eines davon seinem Freund.
„Klingt spannend“, bemerkte Coleman und stieß sein Glas an das von Baranov. Nachdem beide einen Schluck getrunken hatten, deutete Silan Baranov auf das monströse Artefakt, das noch zum größten Teil im Felsen steckte.
„Ist das ein Fayroo?“, fragte er fasziniert über den ungewöhnlicher Anblick, eines der riesigen Sprungportale, verborgen unter meterdicken Erdschichten. Sie befanden sich meist weit draußen im All, um Schiffe an die abgelegensten Orte der Galaxis zu bringen.
„Ganz ohne Zweifel.“
„Wenn der Kiray noch drinsteckt, könnte das einen Effekt auf den gesamten Planeten haben. Eine mehr als spannende Sache.“
„Gewiss doch.“ Culver Coleman war sehr zufrieden mit sich. „Aber du bist doch nicht hier, um mir zu erzählen, was ich ohnehin schon weiss, oder um die Grabung zu überwachen. Vielleicht möchtest du mir die Aufsichtsabteilung der Museums Union auf den Hals hetzen?“
„Es gäbe etliches, das ich liebend gerne machen würde, aber so etwas bestimmt nicht“, bestätigte der Kurator. „Auf Vanetha tut sich einiges. Und ich würde gerne wissen, ob du deinem Sohn nicht endlich etwas mehr Verantwortung übertragen möchtest.“
„Willst du mir in Familienangelegenheiten Rat geben?“
„Gewiss nicht“, beschwichtigte Silan Baranov. „Aber ich kann nicht umhin festzustellen, dass es der Sammlung gut tun würde, wenn Zeff etwas mehr Verantwortung und Möglichkeiten hätte.“
„Und wenn er falsche Entscheidungen trifft?“
„Ist dir auch schon passiert“, entgegnete Silan. „Mehr als einmal, wenn ich dich erinnern darf. Es hat dir nicht geschadet und das Museum konnte es verkraften. Gestatte ihm doch, Fehler zu machen und erzähle mir nicht, es könnte dich zu viel kosten.“
Culver Coleman musterte seinen Freund lange und eindringlich. „Hast du dein Herz für Zeff entdeckt?“
„Mir geht es lediglich darum, die Handlungsfreiheit des Museums zu sichern und für dich mehr Freiraum zu gewinnen. Immerhin hat die Imperiale Behörde für Altertümer weitreichende Befugnisse und beweist eine erstaunliche Flexibilität. Es wird immer schwieriger, ihnen zuvorzukommen. Wir haben einige interessante Objekte an sie verloren. Sie verstehen es besser und besser, neue Bestimmungen durchzusetzen und uns Steine in den Weg zu legen. Und du bist zu oft unterwegs. Soll heissen, du pendelst zu viel zwischen Leidenschaften und Notwendigkeiten hin und her. Deine Pflichtbesuche auf Vanetha oder Lonno könntest du dir sparen, da du sowieso nur halbherzig dabei bist. Und irgendwann werden dir Fehler unterlaufen. Es wäre besser, jemanden zu haben, der zumindest in deinem Sinne Entscheidungen treffen kann und dessen Gedanken nicht abgelenkt sind.“
„Und du glaubst, Zeff wäre dazu in der Lage.“
„Du solltest ihm Gelegenheit dazu geben“, beharrte Silan Baranov.
Coleman war nicht überzeugt. „Du machst mir nichts vor“, sagte er. „Was steckt wirklich dahinter?“
Es entstand eine lange Pause, in der nur das Schlagen des Sonnensegels zu hören war, mit dem der Wind spielte.
Silan drehte sein Glas und betrachtete das funkelnde Spiel der Lichtreflexe darin.
„Seit einem halben Jahr sind zwei junge Frauen auf Vanetha“, erzählte er. „Sie betreiben ein Transportunternehmen. Aber ich habe noch nie was von denen gehört und auch meine Nachforschungen haben nichts ergeben. Sie haben eine Präsentationsseite im Kommunikationsnetz. Aber da gibt es nur wenige Referenzen.“
„Muss nichts heißen“, wendete Culver Colemann ein. „Ich würde nicht einmal ausschließen, dass sie zum Teil illegal arbeiten. Transport von heisser Ware, oder so. Darauf willst du doch hinaus, oder? Viele bewegen sich in den Grauzonen, das ist nun mal so in Asgaroon. Nehmen wir uns zum Beispiel. Was haben wir nicht alles für Dinger gedreht und bisher hat man uns nicht erwischt. Denk mal darüber nach, wen und was wir so alles bewegen mussten, um das ein oder andere Projekt auf solide Füße zu stellen.“
Es entstand wieder ein kurzes Schweigen. Silan fielen auf Anhieb etliche Abenteuer ein, von denen die imperialen Behörden besser nichts wussten.
Culver Coleman deutete mit dem Glas in der Hand auf seinen Freund. „Und ich würde weder uns noch sie deswegen als Verbrecher bezeichnen. Ein geschickter Gauner zu sein ist nichts Verwerfliches“, sagte er und sah gedankenverloren in sein Glas, das er langsam schwenkte. „Ein ungeschickter Gauner zu sein, dagegen schon.“
Silan Baranov grinste breit. „Ich glaube eher, dass es dein Einfluss war, der uns vor Schlimmerem bewahrt hat, als unsere vermeintliche Geschicklichkeit im Dinge bewegen. Dein Name allein hat uns mehr als einmal die Haut gerettet; vergiss das nicht.“
Coleman antwortete nicht darauf. „Wenn die beiden Frauen in abgelegenen Gebieten gearbeitet haben“, fuhr er fort, ohne die letzte Bemerkung des Kurators zu kommentieren, „oder ihre Firma umbenannt haben, wäre das ebenfalls eine Erklärung für ihre spärliche Präsenz in den Netzwerken.“
„Das wäre eine Erklärung, natürlich. Sie behaupten immerhin, im Koliussektor gearbeitet zu haben, aber mir wirkt das zu aufgesetzt – zu absehbar und einstudiert.“
„Und, was sind sie demnach? Diebe?“
„So würde ich urteilen.“
Coleman lachte und nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. „Wenn sie mich um ein paar Stücke erleichtern wollen, warum dann dieses große Theater?“
„Dann geht es eben nicht lediglich um ein paar wenige Stücke.“
„Weiß man, wie groß ihre Transportflotte ist?“
„Schwer zu sagen. Sie sind immer in Bewegung, aber nach den Informationen, die wir haben, sind es etwa vierhundert Schiffe mit einer drei plus Ladekapazität.“
Coleman setzte sein Glas ab. „Was um alles in der Welt…“ Coleman schüttelte den Kopf. „Wollen die unsere ganze Sammlung mitnehmen?“
Silan Baranov hob die Schultern. „Ich kann mir auch keinen Reim auf die Sache machen. Aber ich würde zu gerne herausfinden, was die zwei Frauen im Schilde führen. Wenn sie tatsächlich einen massiven Kunstraub planen, erfordert das eine gut organisierte Logistik.“
„Was wollen die mir stehlen? Den Ocrest von Sebojem? Oder die Platinstele von Peregast? Die Stücke unserer Museen sind allesamt zu bekannt. Wer sollte sie kaufen?“
„Jemand wie du“, konterte Silan Baranov.
Culver Coleman biss sich auf die Unterlippe. „Oh ja. Jemand wie ich. Du hast natürlich recht.“
Die beiden Männer sahen einander lange an und überlegten.
„Du meinst, ich solle Zeff mehr Verantwortung geben, nur damit er das Spiel eröffnen kann?“
„Eröffnen und es zu Ende bringen. Mich würde es brennend interessieren, was dabei herauskommt und wie sich dein Sohn in dieser Angelegenheit verhalten wird. Ich halte ihn für klüger als du denkst und es wäre eine gute Schulung für ihn, egal wie die Sache ausgeht.“
„Wie alt sind die beiden Frauen?“
„Recht jung“, sagte der Kurator. „So um die fünfzig Regulär-Jahre.“
„Alt genug, um eine solide Durchtriebenheit entwickelt zu haben“, überlegte Culver Coleman.
„Und jung genug, um eine größere Sache mit der nötigen Kraft durchzuziehen“, ergänzte Silan Baranov. Seine Miene zeigte dabei die Heiterkeit eines Spielers, der gerade im Begriff war, seine Trümpfe auszuspielen. „Das sind zwei vielversprechende Kandidaten. Ich würde gerne wissen wie sie sich halten. Sie sind um einiges vielversprechender und interessanter als die Sache mit Jabol Sarut und seine Fälscherbande.“
Coleman hob das Glas wieder an die Lippen und trank. Er warf einen langen Blick zu den Überresten des Fayroo hinüber, die aus den Felswänden des Canyons ragten.
„Riskante Sache“, überlegte er laut. „In der Tat sehr anregend.“
„Mach dir keine Sorgen“, beschwichtigte der Kurator. „Ich habe wachsame Augen um den Jungen postiert. Dem passiert nichts.“
„Du hast recht“, antwortete Culver Coleman. „Er muss wachsen und Verantwortung übernehmen. So kann ich meinen Leidenschaften nachgehen, ohne mich ablenken zu lassen, von Buchhalterkram und den ewigen Frechheiten der Kommerzbehörde. Ja, ich muss Zeff Spielraum geben.“
„Spielraum im wahrsten Sinne des Wortes.“
Sie stießen ihre Gläser aneinander und lachten, als hätten sie gerade einen guten Witz gehört.

Hier gehts zur Reihe NOMADS.

Allan Stark

Allan Joel Stark, wurde 1968 in New York geboren, lebt aber seit dem 5. Lebensjahr in München. Zeichner, Maler, Schreiber, phantasiebegabter Wanderer, zwischen den Welten. Schon früh fiel er seinen Freunden durch diese Eigenschaften auf. Die Erschaffung seines NOMADS Kosmos, scheint geradezu vorherbestimmt. Starks künstlerische Fähigkeiten, bereichern diesen Kosmos, dessen Grundlagen er schon in frühen Jugendjahren gelegt hat. In den Jahren zwischen 1988 und 2010, lebte er gewissermaßen aus dem Koffer und suchte das Abenteuer auf verscheidenen Kontinenten. Ein ereignisreiches Jahr in Tansania prägte seine Sicht auf archaische Gesellschaften und deren spirituellen, bzw. kulturellen Reichtum. Armut und Reichtum, gepaart mit der Südseeidylle auf den Philipien, hinterließen bei ihm einen nachhaltigen Eindruck. Die USA durchreiste er einige Male und lernte die Unterscheidlichkeit der einzelnen Bundesstaaten und ihrer Bewohner kennen. Die Erfahrungen aus jener Zeit, fliessen in seine Texte ein und sind Inspirationsquelle für fremde, ausserirdische Kulturen, die er in seinen Romanen beschreibt. "Ich habe die Welt als einen dynamischen Kosmos erlebt, in dem alles miteinander verbunden ist, voneinander schöpft und sich beeinflusst. Nichts bleibt ohne Ausgleich. Ein geschlossenes System, in dem alle unsere Taten auf uns zurückfallen." A.J. Stark ist erfolgreicher Selfpublisher, arbeitet aber auch mit verschiedenen Verlagen zusammen, bei denen er seine Romane veröffentlcht. Sein Genre ist die Spaceopera, in die etliche Fantasy Elemente einflißen und in dem er seine künstlerische Freiheit am besten ausleben kann. Als Künstler bestritt er mehrere Ausstellungen und verkaufte seine Bilder über verscheidenen Galerien. Er illustriert die meisten seiner Bücher selbst.

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