Disneys Fehler. Oder wie man Star Wars vom Himmel schießt.

Wer hätte jemals gedacht, dass Star Wars einmal in Probleme geraten könnte. Ich gehörte nicht dazu. Im Gegenteil. Als Disney 2012 das Franchise von George Lucas gekauft hat, dachte ich, zu Beginn, die Sternensaga sei in den besten Händen. Erste Zweifel kamen mir, als ich erfuhr, dass JJ Abrams als Regisseur im Boot für Episode 7 war. Jon Fafreau hätte es auch machen sollen. Zumindest war er im Gespräch, konnte, wollte oder durfte das Projekt aber nicht in die Hand nehmen.

 

Abrams Filme fand ich einfallslos und sie hinterließen mich oft ratlos. Will heissen, sie blieben mir nicht im Gedächtnis haften. Er machte dem Namen Copy/Paste, der damals aufkam, alle Ehre. Die Serie Lost, die mir anfangs sehr gut gefiel, wurde immer wirrer und konfuser, bis mir die Erkenntnis kam, dass JJ Abrams keinerlei Gesamtkonzept für die Sache hatte. Die Angst in mir wuchs, er würde dieselbe Planlosigkeit auch ins Star Wars Unversum tragen. Abrams, Eile und Konzeptlosigkeit von Seiten der Disney Verantwortlichen, trug massgeblich zu meiner Enttäuschung bei Episode 7. Hielt ich einen zweiten Todesstern erst für ein dämliches Gerücht, verdichteten sich doch die Hinweise, dass es zu diesem einfallslosen Plott und anderer Schwachsinnigkeiten kommen würde. Ratlos und verärgert verließ ich damals das Kino und hoffte auf Episode 8, der ich letzlich ein paar gute Momente abverlangen kann. Was Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers (ich finde den Titel grauenvoll) an Hoffnungen zerschlug, nachdem ich bei Rogue One etwas Zuversicht hegte, ließ in mir die schimmsten Befürchtungen aufkommen.

Es ist schwer zu sagen, ob jemand Star Wars begriffen hat, oder nicht. Jeder impliziert mit dem Franchise etwas Anderes. Viele wollen einen schlüssigen Kanon und sehen Dramaturgie und Atmosphäre als Zweitrangig. Andere wollen die alten Sachen in neuem tricktechnischen Gewand wiedersehen. Ihnen macht es nichts aus, wenn sich die Dinge widerholen. Andere möchten eine stringente Story, mit glaubwürdigen Protagonisten und einer Dramaturgie, die einem Epos angemessen ist. Zu letzteren gehöre ich.

Es ist ein Fakt, dass so ziemlich jede dieser Gruppen in den letzten Jahren enttäuscht wurde, was schließlich zum Debakel von Solo – A Star Wars Story führte. Nebenbei bemerkt. Der Film hatte das eigentlich nicht verdient. Er hat mir besser gefallen, als ich zuerst dachte. Solo bildete jedoch den Höhepunkt, erzähltechnischer Differnzen sowie der Visions und Planlosigkeit der Macher hinter der Saga. Ron Howard hat versucht zu retten, was zu retten ist. In einigen Momenten gelang ihm das sogar besser als erwartet. Dennoch. Der Solo-Flop bildete den Warnschuss, der die Verantwortlichen endlich zwang, ihr Geld in Visionäre und Könner zu investieren, die das Franchise retten sollten. Kunstgeschichtlich ist das alles sehr spannend, denn letztlich geht es bei Star Wars nicht um Science Fiction, sondern um Film und Filmgeschichte. George Lucas zog seine Inspiration nicht aus kühler Wissenschaft, sondern aus der Filmkunst. Western, Eastern, Kriegsfilmen und den Werken von Akira Kurosawa. Und genau dahin muss Star Wars wieder hinkommen. Und wer sagt es?! Mit Filoni und Favreau hat das Franchise endlich genau die Künstler, die wieder etwas bewegen konnten und  das erstaunlicherweise den größten Teil der Fanbase befriedigt. The Mandalorian war ein Testballon, der mit geringer Erwartungshaltung mehr abgeliefert hat, als man vermuten mochte. Für mich ist die Ära JJ vorbei und ich sehe einer Zukunft entgegen, in der mutige und visionäre Künstler wieder die Hand am Ruder haben.

Was denkt ihr?