Die Last, ein Fan zu sein.

Als ich Star Wars im Sommer 1978 zum ersten Mal in unserem Vorstadtkino sah, war ich vom ersten Moment an begeistert. Das daraus im Laufe der Jahre ein gigantisches Phänomen werden würde, konnte damals noch niemand absehen. Selbst der Schöpfer des Epos schien wenig Vertrauen in sein Werk zu haben und verbrachte seine Zeit, weit ab von der Premiere seines Filmes. Zu groß die Probleme während der Produktion, zu groß der Druck der Investoren, die viel Geld in ein ungewissen Projekt gesteckt hatten. Wie man heute weiß, waren die Bedenken völlig unbegründet.

Natürlich hatte damals noch niemand ein Epos mit einer komplexen fiktionale Vergangenheit vor Augen, das vor Mythologie und spannenden Charaktären nur so strotzt. Alles lag nur in Stichpunkten vor, die noch nicht in einem komplizierteren Zusammenhang standen. Lukes Vater war noch nicht der Sohn von Darth Vader und Leia nicht seine Schwester. Obi Wans Vergangenheit – Ein Geheimnis. Natürlich bringt ein Epos, dass jetzt seit über 40 die Kinowelt beherrscht auch unterschiedliche Fans hervor. Ich gehöre zu denen, die Star Wars in erster Linie als Cineastisches Erlebnis betrachten und sich nicht in einen Kanon vertiefen, über den ich bis ins kleinste Detail Bescheid wissen muss, um Freude an diesem Kosmos zu finden. Und da komme ich auch schon an einen Punkt, bei dem sich die Angehörigen der Fanbase aneinander zu reiben beginnen. Auf etlichen Cons und in vielen Foren, stossen vor allem zwei Sichtweisen aufeinander. Diejenigen, denen das Kino und Filmerlebnis das Wichtigtse ist und Jene, bei denen die Stimmigkeit mit dem Kanon im Vordergrund steht. Gewiss gibt es dabei auch eine Schnittmenge. Aber sie scheint marginal zu sein, denn ich kenne nur zwei Fans, aus meinem Star Wars Freundeskreis, die auf Beides Wert legen.

Ich gehe zu Beginn auf die Zweite Gruppe ein. Also auf Jene, die über jede Person, jedes Schiff, jede Welt und jedes Ereignis so viele Informationen zusammen gesammelt haben, um Bände zu füllen und all das auch in einen zeitlichen Kontext bringen können. Die genannten Fans, ob nun jung oder älter, gehören zwangsläufig einer neueren Strömung an, denn bis in die 90er Jahre, gab es nichts, außer die überschaubaren Sachen aus den Kinofilmen. Mit dem Aufkommen der Bücher entstand erst ein komplexer Kosmos, in dem sich der geneigte Nerd verlieren konnte, wenn er sich darauf einlassen wollte. Ich war 1991 gerade auf hawaii, wo mir Timothy Zahns Erster Star Wars Roman in die Hände fiel. Mit den Prequels und den Animationsserien kam dann weiterer, immerhin noch übersichtlicher Content hinzu, der niemanden, der sich Fan nannte überfordern konnte. Alles Dinge, die jeder Star Wars Fan mögen kann oder auch nicht, letztendlich aber zu akzeptieren hat. Schließlich ist es George Lucas Schöpfung und er besitzt die Gestaltungshoheit, der wir auch Jar Jar Binks zu verdanken haben. Computerspiele, die der Alten Republik ein Gesicht geben, haben neue Fakten zum Hintergrund der Jedi und der Sith geschaffen. Bücher, die diese Stoffe aufgreifen, erweitern das Star Wars Universum um unzählige, schillernde Charaktäre und neue Welten. Kein Wunder also, dass das Eintauchen in diese Welten, die nicht auf Kinoerlebnissen fußen, eine andere Herangehensweise an die Filme zur Folge hat. In ihr bildet die Treue zum Kanon den Hauptaspekt und nicht das cineastische Erlebnis. Die Beachtung zeitlicher Zusammenhänge und die Berücksichtigung der Sith/Jedi Philosophie hat höchste Priorität. Verständlich, denn schließlich nahm der Fan die Herausforderung an, sich durch unzählige Buchseiten zu wühlen, wobei er Personen und Orte liebgewonnen hat, die ausserhalb des Leinwandgeschehens ihr Eigenleben entwickelt haben. Asoka Tano ist Eine von ihnen.

Ich beschreibe nun die Fans, zu denen ich gehöre und die mit dem zufrieden sind, was in den Filmen gezeigt wurde. Ich versuche in den nächsten Zeilen alles, um nicht zu verallgemeinern, weil ich weiss dass auch meine Freunde hier und da anderer Ansicht sind, aber diese Unterschiede sind eher marginal. Hier also meine Thesen. Ich habe dieses wort mit Bedacht gewählt.

Für Cineasten ist es wichtig, dass die Dramaturgie stimmt. Das alles, was sich auf der Leinwand abspielt glaubwürdig ist und sich nach Star Wars anfühlt. Dabei geht es in erster Linie um das Bild, die Szene, deren Komposition, den Schnitt und nicht zuletzt um die Atmosphäre, erzeugt duch einen guten Score. Für mich ist die Referenzmarke Episode 5 – Das Imperium schlägt zurück. In den Jahren 1978 – 1983 bildeten die genannten Kriterien den Stoff, über den die Fans diskutierten. Etwas anderes gab es ja kaum. Für uns war wichtig, ob etwas doof aus oder cool aussah. Hat es mich bewegt oder kalt gelassen. Momente wie die Eröffnungsszene von Ep 4, die uns damals einfach vom Stuhl gerissen hat. Luke vor den zwei Sonnen am Horizont von Tatooine. Die Cantina Szene. Der Angriff auf den Todesstern. Das Eintauchen in den Graben, etc. In Ep 5 wurde dieser Stil perfektioniert und um etliche neue Schauplätze und emotionale Momente erweitert. Nicht zuletzt, weil man einen Regisseur wie Irvin Kershner hatte, dem die Action zweitrangig war. Durch seine Inszenierung schuf er einen Sense of Wonder, der nicht allein durch die phantastischen Schauplätze hervorgerufen wird und bis heute spürbar ist. Episode 4 und 5 machen alles richtig und es ist nicht ein Moment dabei, der die Fans damals gespalten hätte. Nicht umsonst gehören die beiden Filme zu den “Best 100“, der Filmgeschichte. Damit komme ich zu einem Punkt, der vielleicht Viele verärgern wird. Aber ich kann nicht anders. Als meine Freunde und ich im Dezember 1983 Episode 6 zu sehen bekamen, bemerkten wir eine Veränderung im Ton, den Star Wars einschlug, sowie der Inszenierung, die uns ziemlich stark irritierte. Irgendwie hatte die Dramaturgie an Rafinesse verloren. Die Punkte, die uns störten, waren nicht ständig vorhanden, denn es gab ja auch so viele tolle Momente, aber sie waren da und störten das Vergnügen. Aber ich will jetzt nicht darauf eingehen. Evtl in einem anderen Blog. Wie wir später herausfanden, hatte uns unser Gefühl nicht getäuscht. Der Wechsel, den ich durchaus als Qualitätsverlust epfand, hing mit dem Weggang von Gary Kurtz zusammen, dessen Einfluss auf die Saga größer war, als mancher Fan vielleicht wahrhaben möchte. Ein anderer Umstand bestand darin, dass Lucas genug von Star Wars hatte und sich anderen Projekten widmen wollte. So geriet auch die versprochene 9 Teile Saga erst mal unter die Räder. Mir kam der Verdacht, dass Lucas die Lust an den Sternenkriegen verloren hatte. Tatsächlich wollte Lucas auch nicht mehr Regie führen und suchte für die Prequels nach einem guten Regiseur, der das übernehmen konnte. Leider gelang ihm das nicht und er übernahm den Job selbst. Ich will auf die Prequels jetzt auch nicht weiter eingehen. Das wäre ebenfalls ein Thema für einen weiteren Blog. Ep1 bis 3 erweiterten zwar den Kosmos, was von Fans der ersten Gruppe natürlich gefeiert wurde, doch die lasche Inszenierung verdarb mir echt den Spass. Ausgenommen das Duell zwischen Qui Gon, Obi Wan und Darth Maul – das ist super spitze. Dummerweise drängen sich immerzu dämliche Droiden mit Micky Maus Stimmen in Union mit Jar Jar ins Bild. Lucas blutleere Dramaturgie besserte sich leider bis Ep3 nicht merklich. Lediglich Williams Score rettet das ganze. Allerdings hätte die Story der Prequels eine bessere Umsetzung verdient, denn die ist wirklich gut, auch wenn man immerzu das Gegenteil hört.

Warum ist das Fan.-Dasein oder das Miteinander also so schwer?

Weil die Herangehensweise an das geliebte Franchise eben sehr unterschiedlich ist und von den jeweiligen Fans oft nicht verstanden oder als Verrat betrachtet wird. Mir wäre es lieb, wenn die Macher alles berücksichtigen könnten, was die Kanon-Anhänger so lieben und dabei alles im Auge behielten, was der Cineast möchte. Das muss doch Beides machbar sein. So wie es aussieht, schafft “The Mandalorian“ genau das. Ich würde es mir sehr wünschen.