Cineasten, Konsumenten und der Mandalorianer

Nachdem mein Blog “Disneys Fehler, oder wie man Star Wars vom Himmel schießt“, einige zornige Kommentare geerntet hat, möchte ich weiter nachhaken und auf einen weiteren Aspekt eingehen, der womöglich zu derart unterschiedlichen Betrachtungsweisen führt, dass man mich als No-Fan bezeichnet. Nichts könnte unzutreffender sein. Der Aspekt, über den ich sprechen will, ist eng mit George Lucas, Gary Kurtz und deren Motiven verknüpft. George Lucas ist hinlänglich bekannt. Zu Gary Kurtz muss man ein paar Infos geben.

Kurtz war maßgeblich für den eher ernsten, erwachsenen Ton, von Ep 4 und 5 verantwortlich, den er für die geplante, 9 teiligen Star Wars Serie vorgesehen hatte. Ab 1977 sollten alle drei Jahre je ein weiterer Teil herauskommen. Lucas überwarf sich mit Kurtz, angeblich wegen Budget-Fragen. Aber egal wie hoch das Budget war, es kam das Zigfache zurück, was deutlich zeigt, dass Kurtz wesentlich mehr Vertrauen in Star Wars setzte, als sein Schöpfer. Der Streit war so ernst, dass Lucas Episode 6 ohne Kurtz verwirklichte, was man deutlich merkt.

Und hier ist man schon beim entscheidenden Punkt. Womöglich schüttelt jetzt der ein oder andere den Kopf und fragt sich, von was redet der Typ da eigentlich?

Ich rede hier als Cineast, der sehr wohl merkt, dass die Macher kreative Änderungen vorgenommen, oder sich für eine andere stilistische Richtung entschieden haben. Mir fällt sehr wohl die Machart der Sets auf, die in Episode 5 sehr echt und atmosphärisch wirkten, und in Episode 6 künstlich und studiohaft. Dialoge verloren an Klasse und irgendwie beschlich einen das Gefühl, Lucas wolle schnell zum Ende kommen. Ein Eindruck, der sich schließlich bestätigte und uns im Jahre 1983 mit der Ahnung zurückließ, dass es wohl vorerst keine weiteren 6 Teile geben würde. Irgendwie war das ganze dramaturgsche Konzept hinüber und die Handschrift der Serie schien sich mit die Rückkehr der Jediritter deutlich geändert zu haben. Die unsäglichen Ewok-Filme wirkten wie eine weitere Ohrfeige für Fans, denen die Wucht und die Klasse des Sternenepos am Herzen lag.

Wie ich später erfuhr, war mit Richard Marquand ein Regisseur im Sattel, der Lucas Ideen williger umsetzte, als Irvin Kershner und Gary Kurtz. Ich fragte mich, was von dem visionären Filmemacher übrig war, der das Kinopublikum 1977 mit Krieg der Sterne in Begeisterung versetzte. Mit Freude nahm ich die Ankündigung entgegen, Lucas würde Star Wars Episode 1 verwirklichen. Was mir jedoch Magenschmerzen verursachte, war die Information, er würde dabei selber Regie führen. Und genau da liegt für den Cineasten das Problem. Es ist nicht die Idee der Prequels. Story und Worldbuilding sind großartig und an klassische Stoffe angelehnt. Die Dramaturgie aber ist öde, einfallslos und zum Teil amateurhaft. Der Star Wars Konsument kann damit leben und erfreut sich an Spezialeffekten, der Szenerie und den tiefgründigen Scherzen des Jar Jar Binks.

Ähnlich ist es bei den Sequels. Sie sind zwar gut inszeniert und auch schnitttechnisch liefern sie solides Handwerk. Doch die Einfallslosigkeit und das Fehlen einer durchgehenden Idee, rauben einem den Spaß. Wie gesagt, wer gerne Bilder und Effekte konsumiert, kann zufrieden sein. Ein Konsument verlangt in der Regel nicht nach Stoffen zum Träumen und fabulieren. Er will unterhalten werden und sucht sich dann was Neues. Er ist robust und ihn stört auch nichts.

Auch mit Rogue One und Solo kann man zufrieden sein. Mir gefallen die beiden Streifen jedenfalls besser als Ep 7-9. Leider haben sie hier und da dramaturgische Mängel, die dem Hickhack hinter den Kulissen geschuldet sind. Ja, man merkt das!

Was macht The Mandalorian nun richtig?

Es gibt eine solide, einfache Story. Tolle Welten und Sets, die auch etwas mit der Geschichte zu tun haben, die man erzählen will. Es gibt Figuren, die glaubwürdig sind, sowie Action und viel fürs Herz. Er kehrt zu den Ursprüngen und den Motiven zurück, die Lucas zu Beginn im Sinn hatte, als er Star Wars schuf. Er wollte kein Epos, mit üppiger fiktiver Historie, wie bei Tolkiens Herr der Ringe oder Herberts Dune. Dass es letztendlich doch dazu kam, lag nicht in seiner Absicht. Es ist lediglich ein Nebeneffekt. Sein Ziel war es, ein Kinomeisterwerk zu erschaffen, dass den Ansprüchen des Publikums nicht nur schmeichelte, sondern sie geradezu übertraf. Und das ist ihm mehr als gelungen. Und hierbei spielte auch Gary Kurtz eine entscheidende Rolle.

Inspiriert ist Star Wars von Western und Eastern. Vorbilder für Lucas waren Akira Kurosawa, John Ford und William Wyler. Also nicht Tolkien, Frank Herbert und andere, die ihre Fantasy und SF-Universen schon etabliert hatten. Als Kinogänger bedeutete mir die Machart und Professionalität eines Filmes sehr viel. Das sind die Aspekte, die mich dazu bringen einen Streifen mehr als einmal anzusehen, ihn zu genießen und in die Szenen abzutauchen. Ich denke, dass ist das Gegenteil von Konsumieren. Und ich denke, dass genau diese Qualitäten, die Atmosphäre von Ep4 und 5 ausmachen, die das Franchise so lange faszinierend machten und die bei The Mandalorian wieder Ausdruck finden. Script, Handlung, Figuren, Welten, Musik und Action bilden endlich wieder ein solides Ganzes. Man kann es konsumieren, da hab ich ja nichts dagegen. Aber endlich gibt es wieder etwas zum Genießen, das zum Träumen anregt.