Fan Fiction. Fan Erwartungen. Was werden wir bekommen? Was haben und bekommen?.

Ist es gut für einen Konzern wie Disney oder Lucasfilm, auf die Fans zu hören? Die Antwort darauf ist ein eindeutiges Vielleicht.

Nicht alles was Fans gut finden, hat eine Wirkung auf der Leinwand. Nicht alles was dem einem Fan gefällt, gefällt dem Anderen. Disney dachte offenbar Fanservice – ein sehr ambivalenter Begriff – bedeute, Altes in neuem Gewand zu zeigen.

Möchte der Fan das wirklich? Ist das Fanservice im positiven Sinn?

Der Fan will natürlich Star Wars haben, aber nicht gelangweilt werden durch Sachen, die er schon kennt; oder doch? Müssen die alten Helden unbedingt wieder auftauchen, oder kann man ganz auf neue Charaktere setzen? Muss alles, was man aus dem Kanon kennt, beibehalten oder unbedingt gezeigt werden, oder kann man Vieles einfach vergessen?

Wie gesagt, geht es um ein Kinoerlebnis und die große Leinwand. Es ist nicht leicht, herauszufinden, was die Zuseher bewegen wird. Man kann nicht klar sagen, was alte Fans zufriedenstellt und Disney gleichzeitig hilft, neue Fans zu gewinnen. Lässt man 10 Fans ihre Sichtweise auf das Franchise schildern, wird man 10 unterschiedliche Meinungen und Ansichten erhalten. Nach welcher soll man sich ausrichten?

Anstatt nun zu versuchen es Jedem recht zu machen, sollte man eigene Wege finden, Star Wars zu erzählen, ohne den Stil zu verraten. Man muss noch erkennen können, dass es Star Wars ist und nicht Marvel oder Star Trek. Star Wars hat einen unverwechselbaren Look und das ist ein Kriterium, dem man unbedingt treu bleiben muss. Im Grunde genommen sollte das doch sehr einfach sein. Und auch machbar. The Mandalorian beweist das, zum überwiegenden Teil, obwohl er fast ganz ohne Jedi, Lichtschwerter und die Protagonisten aus der OT auskommt. Filoni und Favreau schaffen es, eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die für den größten Teil der Fangemeinschaft nach Star Wars aussieht und sich auch so anfühlt. Ich bilde dabei keine Ausnahme.

Was kann man über die Charaktere sagen? Müssen sie Abziehbilder der bekannten Helden sein, weil die Fans Nostalgiker sind?

Disney hat zumindest gewagt, eine Reihe neuer Figuren einzuführen. Kyo Ren, Rey, Poe, Finn, Snoke und Hux. Und dabei gehen die Meinungen schon wieder auseinander. Einer findet Rey, Kylo Ren, Hux und Snoke super, die anderen halten die Figuren für schlecht und schablonenhaft. Ich habe ebenfalls das Gefühl, das Letzteres auf die genannten Protagonisten zutrifft. Dabei hätte das nicht sein müssen. Ich finde Rey, Kylo Ren, Hux und Snoke hatten Potenzial, aber es wurde nicht genutzt. Dasselbe trifft auf die erste Ordnung zu, auf die neue Republik und das gesamte Setting der Galaxis, nach dem Imperium.

Was also fehlt, um die neuen Figuren, annähernd die gleiche Beliebtheit zu verschaffen, wie den Protagonisten der OT? 

Schlicht gesagt, ist es der Background und die daraus resultierenden Motive. Mir fällt es schwer, nachzuvollziehen, was die einzelnen Personen der Sequels bewegt. Bei Luke waren es Abenteuerlust und der Wunsch in die große Welt hinaus zu ziehen und etwas Großes zu erreichen. Leias Bestreben lag darin, eine Rebellion anzuführen und das Imperium zu stürzen. Han wurde uns als ein Abenteurer vorgestellt, auf der Suche nach Geld, um seine Schulden zu bezahlen und am Schluss seinen schlummernden Idealismus entdeckt. Großartige Vorgaben, die alle Aspekte besitzen, das Publikum in den Bann zu ziehen. Irgendwie kann ich bei den Helden der Disney Trilogie keine wirkliche, treibende Kraft erkennen und ihre Motive bleiben vage und unklar. Hinzu kommt ein Setting, dass die Charaktere geradezu in die Fußtapfen ihrer Vorgänger zwingt und sie zu Plagiaten macht. Wüstenplanet. Ein weiblicher Luke. Gestohlene Pläne. Snoke, als ein neuer Imperator und Kylo Ren, der Darth Vader kopiert. Alles, weil man glaubte, der Fan sei nicht fähig, sich von bekannten Schnittmustern zu lösen.

Nachdem man bei Disney bemerkte, dass die Kopie von A new Hope ihnen den Unmut der Fans einbrachte, schwenkte the House of Mouse herum, wie schon Lucas in der Binks Angelegenheit, und ging einen komplett anderen Weg, der dem Publikum The Last Jedi bescherte und ein Erdbeben auslöste, das eine selbsternannte Truppe puristischer Fans auf den Plan rief, die erfolgreich Solo boykottierten. Nichts konnte schwieriger sein, als auf die mannigfaltigen Befindlichkeiten und Vorlieben der Fans einzugehen. Man konnte nur falsch liegen und sah sich am Ende mit vielen Enttäuschen oder irritieren Fans konfrontiert, die gerne Neues und Interessantes gesehen hätten. Lucas hatte dasselbe Problem mit Jar Jar Binks, der einen großen Teil des Publikums irritierte und nervte. Es war klar, dass er in Episode 2 und 3 keine größeren Auftritte mehr bekommen würde, anstatt seine Entwicklung in interessantere Bahnen zu bewegen. Man kann deutlich sehen, dass der Fan es den kreativen Köpfen hinter dem Franchise nicht unbedingt leicht macht, die alles daransetzen, es ihm Recht zu machen. Ich gehöre bestimmt auch irgendwo dazu, bin aber schon zufrieden, wenn man mir gutes und solides Filmhandwerk liefert.

Lucas sagte einmal, er möchte Filme eigentlich nur für sich selbst machen. Das heißt, er wollte auf die Leinwand bringen, was er selber sehen möchte. Ähnlich, wie der bayerische Märchenkönig, Ludwig II, der Schlösser nur für sich und nicht für ein Publikum baute. Disney hat durch Jon Favreau und Dave Filoni, die selbst große Star Wars Fans sind, zwei Regisseure, die genau nach dieser Maxime handeln. Sie verstehen es, den Fan auf die Reise durch die geliebte Star Wars Galaxis mitzunehmen.

The Mandalorian beweist, dass der Fan neue Figuren annimmt. Auch ein komplett neuer Kontext wird akzeptiert und geliebt. Es ist nur die Frage, ob sich die Macher dabei Mühe geben, sie glaubhaft gestalten und es ihnen gestatten sich auf eine Weise zu entwickeln, die Emotionen weckt. Auch darin gebe ich The Mandalorian volle Punktzahl.

Was stimmt mich zuversichtlich?

Dass Disney inzwischen den richtigen Ton gefunden hat, um den Star Wars Kosmos erneut mit Leben zu füllen. Ich denke, die kommenden Streaming Serien werden Qualität haben, denn nur Qualität sichert Disney Erfolg und steigende Zuschauerzahlen. Ein Indiz für meinen Optimismus ist die Post-Credit Szene am Ende von The Mandalorian S2E8. Sie ist ziemlich hart, kompromisslos und besitzt den richtigen Ton für eine Serie, die im Gangster und Untergrund-Milieu von Star Wars spielt.

Ja. Ich bin zuversichtlich, dass sich bald wieder alles einrenken wird.e