Was motiviert einen Autor?

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Die Frage, was einen Autor motiviert, seine Bücher zu schreiben, ist natürlich von Mensch zu Mensch verschieden. Für welches Genre er schreibt, ist abhängig von der Persönlichkeit des Autors. Ist er politisch interessiert und hat vor die Gesellschaft zu verändern, wird er sich bei Zeitungen engagieren, oder Bücher mit sozialkritischem Inhalt schreiben. Menschen, die eine Faszination für Geschichte hegen, werden sich an historischen Themen versuchen. Wer den dunklen Seiten des Menschseins etwas abgewinnen kann, wird sich im Genre Krimi, Thriller und Horror ansiedeln.
Wer allerdings schreibt Science Fiction, Spaceopera und Fantasy? Weltfremde Fantasten, die den Bezug zur Realität verloren haben?
Mal ganz davon abgesehen, dass es klug und vernünftig ist, dem Alltag hin und wieder mal den Rücken zu kehren, sind es Menschen, deren geistige Ausrichtung und Interessen, ich als vielseitig und tiefgründig bezeichnen würde. Ich meine sogar, diese Eigenschaften sind eine Voraussetzung, um spannende, fantastische Stoffe zu verfassen. Will man utopische Romane schreiben, muss man im Hier und Jetzt gut beheimatet sein. Tatsächlich verlangt das Schreiben von fantastischen Geschichten, eine hohes Maß an Realismus. Vieles, was man im Alltagsgeschehen auf der Weltbühne beobachten kann, was uns zum Lachen veranlasst, oder die Haare zu Berge stehen lässt, kann man nicht in einem Roman unterbringen, ohne zu riskieren, in die Schublade von Satire und Comedy gesteckt zu werden. Ganz klar. Fantastik setzt Realitätsbewusstsein voraus, das lediglich durch tatsächliche Ereignisse erschüttert werden kann. Manchmal liefert dieser Schluckauf des realen Weltgeschehens weitere Einsichten in die Natur des Menschen, die zu neuen Geschichten Anlass geben. Wie schon gesagt, bildet das reale Geschehen, eine unerschöpfliche Quelle für Inspirationen.
Was motiviert mich zum Beispiel, meine Nomads-Reihe weiter voranzutreiben und auszubauen?
Es sind Geschehnisse aus aller Welt, die mich bewegen. Oder Dokumentationen über Künstler, Politiker, Forscher, Abenteurer, Krieger und Entdecker. Aktuelles Zeitgeschehen und Geschichte faszinieren mich. Immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass sich der Mensch der Vorzeit, nicht groß von dem Menschen der Jetztzeit unterscheidet. Er ist kein anderer Mensch, nur weil er seine Fellkleidung gegen einen Anzug und die Keule gegen eine Knarre getauscht hat. Daher kann man Ereignisse der Vergangenheit und der Gegenwart glaubhaft in die Zukunft versetzen. Ich bin der Ansicht, dass die besten Geschichten die alten Geschichten sind, die sich auch wiederholen können. Damit meine ich nicht, man solle Immer wieder neue Todessterne bauen, bis hin zur Starkillerbasis, die nur noch Gelächter erzeugte. Das sind lediglich Requisiten, denen man zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ich spreche von neuen Akteuren in neuen Kulissen, aber in bewährten Geschichten. Will man es auf das radikal Einfachste reduzieren, geht es in allen Romanen immer um die Bewältigung einer Krise. Dabei kann es sich um eine Katastrophe handeln oder um einen Krieg. Der Autor steht vor der Herausforderung, immer neue Figuren zu erschaffen, die sich in der üblichen Krisensituation völlig anders entscheiden. Je nachdem, wie der Charakter angelegt ist, wandelt er sich entweder zum Helden, zum Schurken, oder Irgendetwas dazwischen. Letzteres ist stets eine besondere Herausforderung, aber umso spannender.
Natürlich kann man auch etwas ganz Spezielles zu einer Handlung hinzufügen, aber das kann nicht immer gelingen. Ist man ein Genie, dem ständig neue, bahnbrechende Ideen einfallen, kann man sich glücklich schätzen. Aber das sind nun mal die Wenigsten. Vielleicht hat man auch diese Eine, diese großartige Idee, bringt sie zu Papier, veröffentlicht die Geschichte, kommt danach aber nicht mehr an diesen Höhepunkt heran und muss sich eingestehen, dass es von da an nur noch abwärts gehen kann. Das soll nicht heißen, das alles, was danach herauskommt, müsse schlecht sein. Aber es gibt Menschen, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Ich habe das nicht vor. Und sollte mir doch einmal der große Wurf gelingen, werde ich danach auch weiterhin an einfachen und spannenden Stories meine Freude haben.
Ich kenne einen Autor, wenn man ihn denn so nenen will, der seit Jahren an einer Geschichte arbeitet und nie zufrieden ist, weil er denkt, er stünde in Konkurrenz mit Hemingway, Pasternak oder Stephen King. Fragt man ihn, wie weit er denn mit dem Werk schon gekommen sei, höre ich stets, er hätte wieder neu angefangen. Das Setting stimme noch nicht und die Personen benötigen noch mehr Schliff. Glücklich wird er damit offenbar nicht. Ich will nicht ungerecht sein. Womöglich beendet er sein Buch in ein paar Jahren, landet einen Treffer und kann sich in eine Reihe mit den großen Schriftstellern aller Zeiten stellen. Ich würde es ihm nicht neiden, aber ich habe Zweifel. Warum also nicht Freude am Machbaren haben und das eigene Dasein sowie das der Leser etwas unterhaltsamer zu machen.
Hier ein Tipp, für jene, die sich puristischer SF verschrieben haben. Wenn man die Wahl hat eine tolle Geschichte zu schreiben, die aus wissenschaftlicher Sicht jedoch sfragwürdig ist …. scheiß auf die Naturgesetze und schreib das Ding! Wenn Beides geht, ist das natürlich ein Glücksfall und ganz ok. Aber man sollte immer der Geschichte den Vorzug geben, anstatt sich zu entscheiden sie nicht zu schreiben, weil die SF-Szene dich dann steinigt.
Kurz für Trekkies angemerkt. Die coole Form der Enterprise ist nicht die Folge exakter Wissenschaft, sondern das Ergebnis reiner Designerwägungen. Auch das Beamen ist nicht durch Forschung inspiriert, sondern wegen des knappen Budgets, das die Aufnahmen von Shuttleszenen nicht zuließen. Aber es ist doch eine tolle Idee, auch wenn die Teleportation dadurch lediglich einen neuen Namen erhielt. Tatsächlich wurde das Teleportieren schon lange vor Star Trek erfunden. Eine weitere Herausforderung für Autoren liegt darin, festzusetellen, dass beinahe jede Idee schon zuvor irgendwie formuliert wurde. Aber wie gesagt; Beamen – eine coole Idee. Fantasie über Fakten, so würde ich es halten, solange ich keine Krimis oder Historienromane schreibe.

Evtl. kann man folgendes das Fazit ziehen.
Scheitere nicht an deinen eigenen Ansprüchen, oder beim krampfhaften Versuch einzigartig und intellektuell zu sein. Die Leser und sich selbst zu langweilen ist einfacher, als man denkt, was passiert, wenn man verwirrend mit komplex verwechselt. Letztendlich geht es um Unterhaltung. Unterhaltung ist Kunst. Und Kunst muss simpel sein.

Ich versuche, mich in meinen Romanen an diese Vorgaben zu halten, auch wenn ich für Verlage arbeite, die gewisse Vorstellungen haben, die ich berücksichtigen muss. Bisher scheint mir das ganz gut gelungen, denn meine Leserschaft wächst und ist zufrieden. Überzeugt euch selbst und lasst euch mal auf meinen NOMADS Kosmos ein.