Wie Star Wars mich zum Schreiben brachte.

Inzwischen habe ich meinen eigenen Kosmos erschaffen. Er heißt NOMADS und ist in zwei Hauptserien eingeteilt, mit einigen Ablegern in Form von Kurzgeschichten. Inspiriert ist das natürlich alles von Star Wars. Es gibt etliche Ähnlichkeiten im Setting, die den Lesern natürlich auffallen. Ich folge der gewohnten Gigantomanie und meine Raumschiffe nutzen ebenfalls Hyperantriebe. Allein weil mir das Wort Hyperraum besser gefällt, als entsprechend andere Begriffe. Aber was die Form der galaktischen Regierung oder die Bedrohung für die Helden angeht, habe ich andere Wege gewählt.

Am stärksten hat mich der Fantasy und der Spaceopera-Aspekt beeinflusst. Obwohl ich den letzteren Begriff damals noch nicht kannte. Es gab ihn zwar schon lange vorher, aber er wurde erst mit Star Wars wieder bekannt. Meine ersten Geschichten versuchte ich, als Science Fiction anzulegen, denn diesem Genre ordnete man Star Wars zu. Nur zu verständlich, denn die Abenteuer von Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia spielen in einer High-Tec Kulisse. Zwar war mir bewusst, dass Star Wars viel mit der Fantasy in der Art von Herr der Ringe zu tun hatte, aber anders als in den USA, gab es in Deutschland keine diffizilen Unterscheidungen, was die Fantastik anging. Da gab es nur hohe Kunst und Schund. Sowohl in Film als auch in Literatur. Erst im Laufe der Jahre wusste ich, dass mein Genre Spaceopera hieß, dem auch Star Wars zuzuordnen war. Gut so, denn mit wissenschaftlichen Erklärungen hatte ich so meine Mühe. Ich wollte mich auch nicht all zu sehr mit Astrophysik auseinandersetzen, obwohl ich mich natürlich dafür interessiere. Ich stellte jedoch fest, dass es mich ziemlich behinderte, gute Geschichten zu schreiben, wenn ich gezwungen war, zuerst alle technischen und physikalischen Fakten darzulegen, bevor sich der geneigte Nerd einverstanden zeigte, mit dem Lesen fortzufahren. Ist halt nicht mein Publikum. Ich finde es auch nicht sonderlich klug, den Ablauf einer Handlung durch den Blick in diverse Gebrauchsanweisungen zu stören, die ohnehin nur fiktive (unrealistische) Technik erklären sollen. 

Was zeichnet das Genre Spaceopera aus? Es sind die Personen und der Genuss, einer Handlung zu folgen, die mit der Zeit immer komplexer und spannender wird. Die klassische Heldenreise, auf der man neue Orte und neue Personen kennenlernt und dabei sehr viel über sich selbst erfährt. Das ist, meiner Meinung nach, der tiefe Sinn von guter Unterhaltung und etwas, das mich an Star Wars immer inspiriert und begeistert hat. Es gefällt mir, Personen zu beobachten, die sich im Spannungsfeld zwischen Gut und Böse bewegen und sich, je nachdem, wie ihr Charakter angelegt ist, für die eine oder andere Seite entscheiden. Oder es vorziehen, sich im grauen Bereich zu bewegen, wie Han Solo oder Lando Calrissian.

Die Möglichkeiten, mit diesen Bezugspunkten gute Geschichten zu erzählen, sind so unendlich, solange es dem Autor gelingt, vielschichtige Protagonisten zu erschaffen. Die großen Stoffe haben immer dieselbe Struktur. Wir lernen den Helden kennen und sind bei ihm, wenn er in Situationen gerät, die ihn in eine Krise stürzen. Wir bangen und hoffen mit ihm, den richtigen Weg zu wählen. Eine Person, die wir lieb gewonnen haben und mit der wir mitfiebern, um zu beobachten, wie sie ihr Schicksal wählt. Wir fragen uns, was wir getan hätten?

Ich verstehe ganz genau, warum Star Wars oder was auch immer man sich auch gewählt hat, wichtig ist. Es ist ein Spiegel, in den man sieht und sich in irgendeiner Form wiedererkennt. Geschichten sind nicht nur Zeitvertreib. Geschichtenerzählen ist so alt wie die Menschheit selbst und daher wichtig. Ich kann darum auch nachvollziehen, warum manche geradezu in Zorn geraten, wenn sie denken, man wolle ihren Spiegel zerbrechen.

Wenn ich schreibe, kann ich mich in viele Personen hineinversetzen, oder an Orte reisen, die ich gerne in Star Wars gesehen hätte. Eigentlich schreibt man Geschichten für sich selbst. Das Publikum, findet sich dann schon ein. Man kann es nicht allen Recht machen, ohne komplett die Richtung zu verlieren. Es geschieht oft, dass sich Personen, die man erschaffen hat, anders verhalten und der Handlung einen anderen Verlauf geben, als man es beabsichtigt hatte. Man kann die Figur auch brechen, wenn man die Herausforderung nicht annehmen will, die Handlung anzupassen. Aber das ist eine schlechte Entscheidung. Sie zerstört genau das, was Autor und Leser möchten und zerbricht den Spiegel, in den sie beide sehen.

Ein Punkt, der mir in „Das Imperium schlägt zurück“ schon als Jugendlocher sofort einleuchtete, war der “ich weiss“ Moment. Anstatt darüber zu lachen, was lediglich eine Minderheit tut, war mir gleich klar, dass Solo nur genau das sagen konnte und nichts anderes. Später sah ich eine Doku, die die Probleme schilderte, die sowohl Harrison Ford, wie auch Irvin Kershner mit dem ursprünglichen Dialog hatten. Das Übliche, „ich liebe dich. Ich dich auch“, Gelaber. Es hätte Solos Charakter zwar nicht zerstört, aber ihm auch nicht entsprochen.

Mich prägte dieser und andere Momente, was das Schreiben von Dialogen angeht. Im Gegensatz zu vielen Kritikern empfinde ich zumindest die Dialoge aus Episode 4 und 5 nicht platt oder hölzern. Sie sind einfach, haben Kraft, erzeugen Atmosphäre sowie Spannung und Humor. Das kurze Gespräch zwischen Luke und seinem Onkel, gab einen Einblick in Lukes Gefühlslage und seine Situation. Zeigte seinen Wunsch, Abenteuer zu erleben und dem langweiligen Leben auf Tatooine den Rücken zu kehren. Der Dialog auf dem Todesstern vermittelte einen Eindruck über die Macht und Rücksichtslosigkeit des Imperiums. Außerdem ermöglichte es die Szene, Vader seine Fähigkeiten zu zeigen. Und was ist das für ein toller Moment. Alles an der Szene ist perfekt und ermöglicht Einblick in die Denkweise und die jeweilige Position der imperialen Offiziere, die das Geschehen wie ein Schauspiel beobachten. All das beeinflusste mich, beim Aufbau von Szenen, die ich in einem Roman beschreiben will. Stark sind auch die Wortwechsel zwischen Solo und der Prinzessin. Sie haben Charme und Witz.

Beeindrucken waren für mich auch die Schauplätze, an die Lucas und Kurtz und entführt haben. Fantastische, großartige Orte, die alle ihre eigene Atmosphäre besitzen, um den Zuseher “Sense and Wonder“ zu vermitteln. Tatooine, das Innere des Todessterns, Hoth, Dagobah, Cloudcity. Wenn ich schreibe, versuche ich ebenfalls, den Leser in Welten zu entführen, die ihn in seinen Bann ziehen. Ein schweres Unterfangen, denn man will nicht kopieren, sondern etwas Eigenständiges erschaffen. Es ist nicht leicht, den bildgewaltigen Einfluss der Sternensaga beiseitezuschieben und nicht alles nachzuäffen, was Lucas bereits gezeigt hat. Ganz kann das nicht gelingen, soviel muss ichzugeben.

Als ich hörte, es solle insgesamt neun Star Wars Episoden geben, geriet ich völlig aus dem Häuschen. Alle drei Jahre ein neuer Teil, bis hinein ins Jahr 2004 hinein. Leider wurde daraus nichts. Aber ich stellte mir vor, was noch alles hätte passieren können, mit Luke, Han, Leia und all den anderen. Da ich also nicht mehr mit Star Wars bedient werden sollte, blieb mir nichts anderes übrig, meine eigenen Geschichten zu erfinden. Anfangs waren es Star Wars Geschichten – Fan Fiction, die seltsamerweise nichts mit den Hauptcharakteren zu tun hatten. Sie spielten in den Reihen des Imperiums und ich haben den ein oder anderen Plot noch irgendwo im Hinterkopf. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich von der Star Wars Vorlage löste und begann meinen eigenen Kosmos zu erschaffen, der ganz gut funktioniert und ohne Star Wars niemals Realität geworden wäre.