Star Wars ist keine Science Fiction! Keine Diskussion bitte!

Immer wieder gerät man in Debatten über die Machbarkeit diverser technischer Dinge, die uns die kreativen Köpfe hinter dem Krieg der Sterne zeigen. In diversen Foren und auf Cons geraten darüber nicht Wenige in heftige Streitereien. Wer sich darüber Gedanken macht, wie ein Lichtschwert zu realisieren sei, der ob das Beamen im Bereich des Möglichen liegt, hat gewiss einen netten Zeitvertreib. Und solange das Ganze im spielerischen Spaßbereich bleibt, ist das auch recht lustig. Wird man aber in eine Debatte hineingezogen, in der jeder Handlungsstrang in meinem Lieblingsfranchise als Schwachsinn hingestellt wird, weil es technisch ja absurd sei und damit der ganze Star Wars Kosmos dämlich sei – dann nervt mich das. Ich wage mal, ganz frech zu behaupten, dass ein Wissenschaftler, der sich mit der der Machbarkeit diverser technischer Finessen in anderen Filmen beschäftigt, diese ebenso absurd finden würde. Ganz gleichgültig, wie sehr man nach physikalischen Erklärungen für dieses oder jenes sucht, es bleibt immer Fantastik, bestenfalls Fiction. Tatsache ist, die Enterprise sieht cool aus, wird aber nie auf Warp gehen. Der Falke ist ein charmanter Schrotthaufen, aber der Hyperraum bleibt für ihn unerreichbar. 

Die Frage, ob die technische Machbarkeit gewisser Dinge in Star Wars von Belang ist, habe ich mir schon längst beantwortet. Nein, sie ist es nicht! Deshalb gehe ich auch Diskussionen mit Hardcore SF-Nerds aus dem Weg. Warum? Weil man aneinander vorbeiredet.

Star Wars machte man nicht, um in erster Linie Technik und Wissenschaftsfreaks zu befriedigen. Der Funke, der Lucas beflügelte seine Saga zu erschaffen, bestand zunächst darin, eine spannende Geschichte zu erzählen. Ich denke, dass auch Jules Verne, der gerne als der Vater der SF gesehen wird, in erster Linie Abenteuer erzählen wollte. Doch das ist ein Thema für einen anderen Blog.

Lucas schwebte vor, Genres wie Eastern, Western und Kriegsfilme, in einer Weltraumkulisse spielen zu lassen. Für ihn galten cineastische und erzählerische Aspekte. Dramaturgie, Design, Soundeffekte und Musik sollten ein Gesamtkunstwerk bilden, das den Kinogänger in den Bann ziehen sollte. Und das ist ihm auch mehr als gelungen.

Sieht man sich die Disney Dokumentation über die Produktion von “The Mandalorian“ an, wird man vergeblich auf die Erklärung physiklaischer Gegebenheiten in der Serie warten. Auch bei den Dokus über das gesamte Star Wars Universum, sind mir nie ernsthafte Abhandlungen über die Physik dieses Kosmos begegnet. Womöglich habe ich sie auch absichtlich übersehen. Unübersehbar ist hingegen die Anzahl von Büchern und Dokus über die Kunst, die in die Produktion der Sternensaga eingeflossen sind.

Was bewog Lucas dazu, einen völlig neuen Stil in der Darstellung fremder Welten zu erschaffen? Natürlich folgen die Sets keinen naturwissenschaftlichen Fakten. Alles ist auf künstlerische Glaubwürdigkeit ausgelegt. Ein Detail, das Ridley Scott zum Setting für seinen ALIEN-Film inspirierte, war der sogenannte “Used Look“, den Lucas für seine Raumschiffe und Sets wollte. Ein Trick, der den Eindruck vermittelte, es mit echten, von Leben erfüllten Welten zu tun zu haben.

Die Protagonisten sind keine Forscher, sondern Archetypen, aus Cowboy und Samuraifilmen. Vorbilder waren nicht, Armstrong, Captain Cook, Newton oder Wernher von Braun. Es waren John Wayne, Toshiro Mifune, Erol Flynn und Douglas Fairbanks. Es galt nicht, galaktische Phänomene zu erforschen, sondern die Magie verschiedener Filmgenres miteinander zu verknüpfen. Vermischt mit Sagen des Mittelalters und der Antike. Aus all diesen Gründen, habe ich ein Bild für diesen Beitrag gewählt, in dem nicht Wissenschaftler wie Stephen Hawkings zu sehen sind, sondern Filmemacher, wie Spielberg, Scorsese und Coppola, die neben Lucas posieren.

Eine große Rolle spielte schon immer die Musik, die von Beginn an einen elementaren Bestandteil für die Erzählweise und die Dramatik der Filme bildete. Auch bei “The Mandalorian“ wurde viel Mühe auf den richtigen Score gelegt, wie man in der Disney Doku erfahren kann.

Wie Werner Herzog bemerkte, der sowohl von Baby Yoda, als auch von der Ernsthaftigkeit aller beteiligten Künstler begeistert war, trug alles dazu, Kinomagie zum Leben zu erwecken. Nur das zählt, und macht den Reiz von Star Wars aus.

Was will ich also mit den vielen Worten sagen?

Ich sehe die Qualität einer Story nicht in der wissenschaftlichen Untermauerung ihrer Pappmaschee-Kulissen, sondern im Wahrheitsgehalt ihrer – wenn man so will – moralischen, künstlerischen Botschaft. Geschichten zu erzählen, die uns in den Spiegel blicken lassen, ist keine dumme Sache, sondern so alt wie die Menschheit selbst. Ich lege keinen Wert auf nerdige und zu ernst gemeinte Fantastereien über Wissenschaft in Erzählungen, die in fremden Welten spielen. Ich streite mich hingegen gerne über cineastische, künstlerische und dramaturgische Aspekte, von Filmen.