Interview mit Thorsten Küper, über SF und Spaceopera.

Interview.

Geführt von Allan J. Stark (Autor)

mit

Thorsten Küper (Autor/Moderator)

Hallo Thorsten. Wie deiner Vita zu entnehmen, die ich an dieses Interview angefügt habe, bist du Physiker. Also ein Wissenschaftler, der sich streng an Fakten orientiert. Was hat dich also zur Phantastik geführt?

Mondbasis Alpha Eins, Raumschiff, Enterprise, Star Wars und Captain Future. Commander Perkins Hörspiele, selber Hörspiele machen. Perry Rhodan. 

Hast du Lieblingsautoren? 

Es sind immer wieder andere, die mich begeistern können. In den Achtzigern waren das Ben Bova und Carl Sagan, Stephen King hat mich damals auch sehr fasziniert. Heute sind es Leute wie Richard Morgan, Ernest Cline, John Scalzi und viele andere. Die Liste würde zu lang werden. 

Was schätzt du an ihnen?

Sie halten mich so fest im Griff, dass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen will. 

Was macht für dich gute SF aus? 

Wenn ich überrascht werde. Das muss nicht durch wissenschaftliche Visionen geschehen. Es können auch Dialoge sein, Weltenbau, oder der Humor. Wobei die Humoristen bei mir eigentlich immer eher schlechte Karten haben. Douglas Adams ist nix für mich. Das liegt vielleicht auch an dieser Physiker-Krankheit: „Du musst Douglas Adams lesen!“ Wenn mir jemand anderes sagt, dass ich den lesen muss, dann schon mal erst recht nicht. Andererseits liebe ich  Nerd-Science Fiction wie Taylors „Ich bin viele“. Da wird der Science Fiction Leser  zum Akteur, der sein wissenschaftlich popkulturelles Weltbild nutzbringend zur Problemlösung einsetzt. 

Was erwartest du von einer Spaceopera?

Große Raumschiffe. Sie sollten bewaffnet sein. Und das Feuer aufeinander eröffnen. 

Wie muss für dich gute Fantasy aussehen?

Das ist das Regal, an dem ich sofort vorbei gehe. Schwerter…na ja. Und Drachen… wir werden nicht mehr warm miteinander. Ich habe nicht eine einzige Folge von Game of Thrones gesehen. Ist bestimmt toll. Aber ich hab`s einfach nicht so damit. Okay, gut . Witcher hat mir gefallen. 

Welche Romane außerhalb der Phantastik haben dich beeinflusst?

Gute Thriller. Wie die von Jeffrey Deaver. Aber die meisten Thriller, die ich lese, sind auch schon wieder eher Phantastik. Preston&Child beispielsweise sind eindeutig Science Fiction Autoren. Ja, ich habe auch mal Eco gelesen, Süskind oder Houellebecq. Aber die machen mich nicht glücklich. Ich lese ja nicht, um sagen zu können, dass ich die gelesen habe.

Sollten junge Autoren der SF-Szene die Klassiker der Phantastik kennen? Bradbury, Tiptree, Herbert, Asimov, Clarke, etc.

Ich habe – glücklicherweise – von jedem von ihnen etwas gelesen. Aber ich halte Asimov und Herbert nicht für einen guten Einsteig ins Genre. Beide schreiben für meine Begriffe viel zu langatmig. Wer ins Genre einsteigt, wird vermutlich immer zu Autoren nah an seiner Generation greifen. Später erweitert sich der Horizont möglicherweise. Auch auf andere Genres. Aber man muss jedem Schriftsteller selbst überlassen, welche Einflüsse er für sich wählt.

Als Physiker. Muss für dich in einem Roman immer alles nach den Naturgesetzen gehen, oder steht auch mal die Kunst über der Logik?

Physik ist fast völlig Brause. Im Notfall kann man alles durch Technik oder neue Erkenntnisse erklären. Wie Clark schon sagte: Ist die Technologie der unseren weit genug überlegen, ist sie für uns von Magie nicht mehr zu unterscheiden. 

Gibt es für dich Todsünden, die ein Autor an seinem Werk begehen kann?

So manche vermeintliche Todsünde erweist sich plötzlich als genialer kreativer Schachzug. Da würde ich keine pauschalen Regeln aussprechen wollen Na ja, vielleicht diese: Vermeide Beschreibungen wie „es sah aus wie das Ding aus Alien“. Wobei Dean Koontz das in einem seiner Romane gemacht hat und da war es von der Idee her völlig in Ordnung. 

Was fasziniert dich an den Online Lesungen?

Ich habe 2008 einen Fernsehbericht über einen DJ in Second Life gesehen, dachte  „das aber mit Lesungen statt Songs“ und hatte dabei so ein seltsames Kribbeln im Nacken. Meine Frau habe ich nur wenig später bei einer von ihr in Second Life veranstalteten Lesung kennen gelernt. Kein Wunder also, dass das Konzept der virtuellen Lesung für mich seit zehn Jahren etwas ganz besonderes ist. 

Warst du dabei auch mal überrascht? Positiv bzw. negativ?

Sowohl als auch. Im negativen Sinne, wie groß die Ablehnung und der Spott sein können, im positiven darüber wie schnell manche Feuer für dieses Medium fangen. 

Wie siehst du deine Rolle in der Phantastik Szene?

Irgendwie sind die Brennenden Buchstaben gerade für die phantastischen Schreiber so eine Art Knoten im Netz. Nicht der bedeutsamste, aber viele kennen uns, viele waren da und es haben sich daraus zum Beispiel  gemeinsame Lesungen „in Echt“ ergeben, oder Zusammenarbeiten bei Büchern, oder wenn es um Titelbilder ging, oder Mitwirkung an Hörspielen oder Videos. Ich finde es genial, eine Convention zu besuchen – als es die noch gab – und dabei alle drei Meter auf einen Schriftsteller zu treffen, der bei uns gelesen hat. Und dabei fällt mir ein, dass ich das in diesem Jahr sehr sehr vermisse. 

Schaut euch den Vierten Virtuellen Literaturcon vom 9. bis 11. Oktober an. Auf Discord, Second Life und Twitch!  Es ersetzt nicht die realen Treffen. Aber es wird helfen.

Nachtrag:

Hallo Allan.

Ich moderiere und mache online Lesungen seit 2009. Damals habe ich auch meine Frau bei so einer virtuellen Lesung in Second Life kennengelernt.  Seit hatte schon im Jahr davor die Literaturgruppe Brennende Buchstaben in SL gegründet. Seit 2009 machen wir das gemeinsam.

Ich bin auch Schriftsteller beziehungsweise Autor. Von 1994 an habe ich für kleine Fanzines geschrieben. Im Jahr 2000 habe ich zum ersten Mal eine Kurzgeschichte im Computermagazin c`t platzieren können. In „Der Literat“ geht es um einen Theaterautor, der die damals noch sehr beliebten Textchats im Internet nutzt, um Geschichten in der realen Welt zu inszenieren. In dem Jahr kam auch mein einziges eigenes Buch heraus. „Sinzigs Arche“. Man könnte sagen ein Miniroman. Er hat mir die erste Nominierung für den Deutschen Science Fiction Preis eingebracht. Aber in der Sparte „Erzählung“. Immerhin ein vierter Platz. Es folgten weitere Kurzgeschichten für c`t, Nova, Exodus, Spektrum der Wissenschaft und viele Anthologien. Aber auch ein paar journalistische Artikel. 

Die Idee der Brennenden Buchstaben war es immer, Lesungen zu machen. Aber Lesungen mit einem Publikum. Alle die schon einmal auf Cons gelesen haben, wissen, dass die Anwesenheit von Zuschauern keine Selbstverständlichkeit ist. Second Life löst das Distanzproblem. Du kannst deinem Lieblingsautor in Berlin aus der Schweiz zuhören. Im Laufe der Jahre mit wachsender Zahl von Vorlesern, ist mir klar geworden, dass unser Projekt auch den Knoten einer Vernetzung zwischen Literaturmachern darstellt. Wir wollen sie zusammen bringen, gemeinsam mit ihnen etwas auf die Bühne bringen, sie zusammen lesen lassen. Wie Musiker, die die Gelegenheit haben, mal zusammen zu spielen. Die Lesungen sollen nach Möglichkeit gleich Live Hörspiele sein. Meine Idee ist, dass es keinen Sinn macht, sich gegenseitig zu ignorieren. Mein Publikum kann auch dein Publikum sein und umgekehrt. Man nimmt sich dabei nichts weg. Und bei dieser Vernezung muss es nicht nur um Veranstaltungen gehen. Man kann ich Tipps holen, findet so Kollegen, mit denen man an gemeinsamen Projekt arbeiten kann. Es haben sich zum Beispiel Zusammenarbeiten mit Second Life Künstlern für Titelbilder ergeben. Oder aus virtuellen Auftritten wurden später gemeinsame Reallesungen. Sehr oft mit Anja Bagus, oder mit Frederic Brake, oder Torsten Low, oder M.H. Steinmetz.

Wir sind so etwas wie eine virtuelle Künstlerkneipe, in der man Projekte aushecken kann.

Kurz-Vita Thorsten Küper

Thorsten Küper alias Kueperpunk, geboren 1969 in Herne. Physiker, Autor, Blogger, Bewohner virtueller Welten. Küper schreibt Stories über virtuelle Realität, Überwachung, Medien, Technologie für Magazine wie c`t, Spektrum der Wissenschaft, GEE oder Nova und verschiedene Anthologien. Insgesamt zwanzig mal wurde er für den Deutschen Science Fiction Preis und den Kurd Laßwitz Preis nominiert. 2019 gewann er beide Preise mit seiner Erzählung „Confinement“, die in Ausgabe 26 des Nova Magazins erschien. Küper ist täglich in den sozialen Netzwerken aktiv und berichtet dort über Literatur, Science Fiction, Cyberpunk, Steampunk und Virtual Reality.

Gemeinsam mit Kirsten Riehl alias Zauselina Rieko betreibt er seit 2010 das Kafé Krümelkram der Literaturgruppe „Brennende Buchstaben“  in SecondLife. Spezialisiert haben sie sich auf literarische Events im Cyberspace. Sie organisieren Lesungen und Ausstellungen in SecondLife und anderen Grids, performen aber auch selbst als Vorleser und Sprecher. Bisher sind mehr als 190 Schriftsteller und Verleger bei den von ihnen veranstalteten Events aufgetreten. . .