Eine weitere Leseprobe aus NOMADS 11 - Kein Weg zurück!

Auf dem Weg, der aus dem weitläufigen Tempelbezirk hinausführte, bewegten sich Dominic und seine Kameraden durch das Gedränge, wie Fische, die gegen den Strom ankämpften. Schier endlos war die Flut von Menschen, die offenbar aus allen Teilen der Welt gekommen waren, um hier auf irgendeine Weise Erlösung zu finden. Für diejenigen, denen es nach spiritueller Erfüllung verlangte, gab es Hoffnung, wenn sie die Bereitschaft zeigten, sich mit schlichten Glaubenssätzen abspeisen zu lassen. Nach Dominics Erfahrungen zeigte sich der größte Teil der Menschen nur allzu gerne bereit, jeden Schwachsinn akzeptieren, wenn die Hoffnungslosigkeit nur groß genug war. Auf der Erde war das bestimmt der Fall. Für alle anderen, die für eine Flucht von der Erde in Frage kamen, gab es nur körperliche oder geistige Kriterien, die ihrem Glück im Wege standen. Und selbst dann, landeten sie lediglich im Heer der Mestrays, wo sie früher oder später einen Heldentod erlitten.
Hinter dem Staubschleier, den der unaufhörliche Strom an Menschenmassen erzeugte, sah Dominic die Fassaden einer Stadt. Sie schien in den letzten Jahren, aus einem Dorf entstanden zu sein, das durch den Zufluss an Pilgern offenbar zu Bedeutung Wohlstand gelangt war. Jedenfalls bewegten sich die Leute auf einer breiten Kiesstraße, die von dort aus zu Rakara führte. Ein eindrucksvolles Hochhaus, stach wie eine silberne Nadel, aus einer Anhäufung kleinerer Gebäude in den Himmel. Gewiss blühte dort der Handel mit allem, was ein frommer Wanderer benötigte, damit er die Größe seines Glaubens bezeugen konnte.
Dominic atmete die heiße, von zahllosen, Gerüchen geschwängerte Luft. Er erstickte fast am Duft von Weihrauch aus Räucherschalen, die die Leute mit sich führten. Die Gerüche, mitgeführter Speisen und saure Schweißausdünstungen, bescherten ihm einen beständigen Würgereiz. Dazu eine unerträgliche Kakophonie aus Gesängen, dem Klang, von Flöten, Pfeifen, Glöckchen und Zimbeln.
„Wir verlassen hier die Straße“, befahl Dominic genervt.
Er arbeitete sich durch das Gewühl und verließ den Kiesweg. Zwischen niedrigen Büschen und hohen Kakteen, schlug einen Weg ein, der ihn und seine Kameraden direkt in Richtung der Keymon-Kralle führte. Es dauerte nicht lange, und der Lärm, den die unzähligen Pilger erzeugten, trat in den Hintergrund. Nach einer Weile war er kaum noch zu hören. Die eigentümliche, etwas beunruhigende Stille der Wüste legte sich auf Dominics Ohren. Einzig der Wind flüsterte noch ein sanftes Lied. Wer Gott finden will, dachte sich Dominic, der sollte in die Wüste gehen.